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In Europa Kammer-Praxis erfahren

Fachinformationsreise der neuen Kammer-Führungskräfte

Discussion with SEQUADie im Spätsommer 2007 neu gewählte Führungsgeneration der regionalen Industrie- und Handelskammern in der chinesischen Provinz Anhui erhielt bei einer Fachinformationsreise von 16. bis 26. September 2007 erstmals die Möglichkeit, sich über die praktische Arbeit ihrer Kammer-Kollegen in Deutschland, Österreich, Belgien und Frankreich zu informieren. Die Reise wurde von der SEQUA gGmbH im Rahmen des KMU Projektes China vorbereitet. Eine Reihe von Mitgliedsunternehmen der chinesischen Handelskammern erhielt zugleich die Möglichkeit, mit ihren europäischen Branchenpartnern Geschäftskontakte aufzubauen.

Auf der ersten Station, bei der Industrie- und Handelskammer Darmstadt, wurde die Gruppe von Martin Proba, Sonja Müller und Jens-Uwe Lalk über die sektorale Wirtschaftsförderung durch Kammern am Beispiel des Automotive Cluster Rhein-Main-Neckar und über internationale Kammerarbeit am Beispiel des China Competence Center der IHK Darmstadt und Frankfurt informiert.

Noch am selben Tag ging die Reise nach Bonn, wo bei der SEQUA gGmbH Dr. Ralf Meier eine Einführung in die Grundlagen verschiedener Kammersysteme weltweit und die Organisation der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft präsentierte. Gesellschafter der SEQUA sind der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, der Zentralverband des Deutschen Handwerks, der Bundesverband der Deutschen Industrie und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. SEQUA führt in zahlreichen Entwicklungsländern Projekte zur Förderung von Kammern und Verbänden (Business Membership Organizations) durch.

Wouter Van Gulck, Belgium Federation of CCIBei der Belgium Federation of Chambers of Commerce and Industry in Brüssel führte deren Hauptgeschäftsführer Wouter Van Gulck in die Organisation seiner Kammern ein, die anders als in den Nachbarländern Belgiens auf freiwilliger Mitgliedschaft basieren. Er bot außerdem die Gelegenheit zur Diskussion mit Repräsentanten der Stadtkammer von Brüssel und der Belgisch-Chinesischen Handelskammer. Ungewohnt für die chinesischen Gäste war die gegenüber der nationalen “Zentrale” deutlich größere Wirtschaftskraft der regionalen Basiskammern wie Brüssel oder Ost-Flandern.

Georges Fischer, CCIPNach einem Briefing über die International Chamber of Commerce in Paris durch Hélène Kolmodin führte Georges Fischer sowohl in die Arbeit der World Chambers Federation ein wie auch in die Tätigkeit, Strukturen und Strategien der Stadtkammer von Paris. Er schilderte ferner die neuesten Überlegungen zur virtuellen Handelskammer: “CCIP in a de-materialized world”. Delegationsleiter Yan Anyun gewann hier den Eindruck, dass die französischen Handelskammern ähnlich wie die Kammern in China eher mit staatlichen Organisationen vergleichbar sind.

Wieder zurück in Deutschland führte das Programm zur mitgliederstärksten IHK, nämlich der von München und Oberbayern. Johannes Huber und Christine von Nell boten hier einen Überblick über die Aufgaben der Kammer und wie sie diese effizient bewältigt. An konkreten Beispielen wurde aufgezeigt, wie die Kammer ihren Mitgliedsunternehmen die Aufnahme von Geschäftskontakten mit dem Ausland - auch mit China - erleichtert. Huber überreichte den Besuchern eine Datenbank bayrischer Unternehmen in Branchen mit Schlüsseltechnologien und ermutigte die Unternehmer aus Anhui, mit diesen Kontakte aufzunehmen.

Wirtschaftskammer Tirol PresentationDie Mission wurde mit einem Einblick in die Kammerstruktur Österreichs abgerundet. Bei der Wirtschaftskammer Tirol in Innsbruck stellte Gregor Leitner die Organisation und die Rechtsgrundlagen der dortigen Kammern vor. In der Diskussion wurden wesentliche Unterschiede zu Deutschland herausgearbeitet: (1) die Wirtschaftskammern umfassen sowohl Industrie und Handel als auch das Handwerk; (2) die Wirtschaftskammern sind zugleich Arbeitgeberorganisationen und somit Verhandlungspartner der Gewerkschaften über Tarifverträge.

Als Follow-up der Mission bereitet das Projekt für die neue Führungsgeneration der Handelskammern in Anhui ein Symposium über Kammermanagement und -strukturen vor, der am 10. und 11. Dezember 2007 in Hefei stattfinden soll. Dabei sollen auch konkrete Management-Werkzeuge wie Zeitmanagement, Umgang mit Medien, Teamführung, Qualitätsmanagement besprochen werden. Noch im Oktober 2007 finden in Anhui zwei Workshops über den Aufbau von Branchenkammern und über juristische Dienstleistungen der Kammern statt.