China

Privater Mittelstand auf Augenhöhe mit dem Staat

Die deutsche und die chinesische Regierung haben bereits 1997 erstmals über Möglichkeiten der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Mittelstands-Förderung verhandelt. Als Ergebnis bewilligte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Anfang 2000 das mit bis zu 6,1 Mio. Euro ausgestattete Programm „Förderung der Klein- und Mittelunternehmen in der VR China“, das mit einer offenen Orientierungsphase begann. Im Juni 2003 wurde die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) beauftragt, in der Durchführungsphase das Ziel zu verfolgen:

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nutzen nachfrageorientierte Dienstleistungen und erhöhen ihre Wettbewerbsfähigkeit in einem unternehmensfreundlicheren Umfeld.

Konkrete Maßnahmen konzentrierten sich dabei auf die Provinz Anhui, die als Pilotprovinz für die chinesische Mittelstandsförderung gilt. Seit April 2005 war ein Langzeitexperte der SEQUA gGmbH in Anhui eingesetzt und arbeitete dort eng mit dem GTZ-Büro zusammen.

Im Juli 2006 bewilligte das BMZ eine Verlängerung der Durchführungsphase, für die als neues Ziel definiert wurde:

Von staatlichen Institutionen und privatwirtschaftlichen Akteuren gemeinsam entwickelte Modelle moderner Standortförderung für KMU sind in Förderstrategien auf Provinz- und nationaler Ebene integriert.

In der bis Ende 2007 befristeten Projektphase wurde damit erstmals für China bei der Gestaltung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein System des gleichberechtigten Dialogs zwischen privaten KMU und ihren Vertretungsorganen einerseits und den staatlichen Institutionen andererseits angestrebt. Dem Mittelstand wurde modellhaft eine adäquate Beteiligung an politischen und administrativen Entscheidungen eröffnet, die seinem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gewicht entspricht. Dadurch wurde auch der Tendenz entgegen gewirkt, sich auf irregulären Wegen Einfluss zu verschaffen. Die Erfahrungen aus Anhui wurden vertieft und auf nationaler Ebene über den Projektträger, die National Development and Reform Commission (NDRC), ergänzt und verbreitert. Methodisch wurden drei Komponenten vereinbart:

  • Beratung zu politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen,
  • Weitere Qualifizierung von Kammern und Verbänden,
  • Beratung zu Strategien der Cluster- und Existenzgründungsförderung.

SEQUA in China

Durch eine ganze Reihe von Projekten verfügt SEQUA über langjährige Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit China. Schwerpunkte waren dabei seit 1995 das Partnerschaftsprojekt des Zentralverbandes des deutschen Handwerks (ZDH) mit verschiedenen Partnerkammern auf Provinz- und Präfekturebene, und das des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) mit der All-China Federation of Industry and Commerce (ACFIC). Weitere Projekte wurden und werden zu Themen der beruflichen Qualifizierung und des Umweltschutzes sowie im Rahmen von PPP-Maßnahmen durchgeführt. Mit der erfolgreichen Durchführung dieser Projekte erreichte SEQUA eine hohe Anerkennung und einen beträchtlichen Bekanntheitsgrad in Fachkreisen und bei privaten Unternehmen in China. Aufgrund ihrer Kompetenzen zur Privatwirtschaft und zu Kammern und Verbänden war sie seit Beginn der ersten Verhandlungen in die deutsch-chinesische Zusammenarbeit zur KMU-Förderung involviert.

SEQUA Auftrag im KMU Förderprogramm

Im KMU-Projekt war SEQUA als Unter-Auftragnehmer der GTZ tätig und setzte eine Langzeit- und eine Junior-Fachkraft jeweils intermittierend in China und Deutschland ein. Die Tätigkeit wurde durch eine Senior-Fachkraft für Backstopping unterstützt. Langzeit-Fachkraft war Helmut Schönleber, der zuvor bereits acht Jahre lang das Partnerschaftsprojekt des DIHK in Peking geleitet hatte. SEQUA führte die Projekt-Komponente zur Qualifizierung von Kammern und Verbänden in Absprache mit der GTZ weitgehend selbständig durch. Sie unterstützte darüber hinaus die GTZ bei den beiden anderen Komponenten. Die Kammer- und Verbandskomponente setzte vier Schwerpunkte bei der Unterstützung:

  • Entwicklung von Curricula und Trainingsmaterial für Kammer- und Verbandsmitarbeiter zu den Themen Dienstleistungen für KMU, Öffentlichkeitsarbeit, Verbesserung interner Arbeitsprozesse
  • Entwicklung von Curricula und Trainingsmaterial des Management-Trainings für KMU sowie bei deren Anwendung in Workshops und Schulungen
  • Entwicklung und Anwendung von Modellen zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen lokalen KMU und internationalen, besonders deutschen Unternehmen
  • Analyse der KMU-Interessen zur Standortentwicklung und bei der Entwicklung und Anwendung von Modellen im Rahmen einer Standortförderungs-Strategie.

Die Mitwirkung der SEQUA an den anderen Komponenten konzentrierte sich vor allem auf die Bereiche

  • Branchencluster – Austausch und Anbahnung von Partnerschaften zwischen dem in Gründung befindlichen Automobil-Cluster Anhui mit bestehenden Automotive Clustern in Europa
  • Public Private Dialog – Initiative eines „Anhui Public Private SME Roundtable“ mit Unternehmern, Kammer- und Verbandsvertretern, Politikern und Regierungsbeamten

Darüber hinaus wirkte SEQUA bei allen Themen an der Planung, Vorbereitung, Organisation und Durchführung von Workshops, Symposien, Expert Hearings und Fachinformationsreisen intensiv mit. Sie ergänzte die Öffentlichkeitsarbeit der GTZ, beispielsweise durch Pressemeldungen und das Internet.

Fazit

Das gut partnerschaftliche Zusammenwirken von GTZ (als Vertreter des deutschen Staates) und SEQUA (als Vertreter der deutschen Privatwirtschaft) hat sich bereits zu einem Modell des „Dialogs auf Augenhöhe“ für die chinesische Seite entwickelt. Diese Kooperation war eine besonderen Stärke des Projektes.

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